Jost,Udo (1844) - Becker,Volker (1804)
Schueren - FS 98 III, 02.10.2011
[Kommentar Fritz 12 & Volker Becker)]

C02: Französische Verteidigung (Vorstoßvariante)

1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.f4

Eine klare Kampfansage. Weiß will mit dieser seltenen Variante sofort auf Königsangriff spielen und ist bereit, dafür eventuell einen Bauern zu opfern.

4...cxd4 5.Sf3 Sc6 6.a3

[6.Ld3 Da5+ (6...Ld7 7.Sbd2 Lc5 8.Sb3 Lb6 9.0-0 Sge7 10.Kh1 Dc7 11.Ld2 0-0-0 12.a4 a6 13.Le1 f6 14.Sc1 fxe5 15.fxe5 Tdf8 16.b4 Sf5 17.Lxf5 Txf5 18.Sd3 a5 19.b5 Se7 20.Tc1 Kb8 21.c3 Kopasz,R (2312)-Biro,A (2282)/Hungary 2009/EXT 2010/1-0 (32)) 7.Sbd2 Sb4 8.0-0 Sxd3 9.cxd3 Se7 10.Sb3 Db6 11.Kh1 Sc6 12.Sfxd4 a5 13.Le3 a4 14.Sc2 Da6 15.Sbd4 Le7 16.Tc1 Ld7 17.Dd2 0-0 18.b4 axb3 19.axb3 Sxd4 20.Sxd4 Tfc8 Vidarsson,J (2359)-Thorhallsson,T (2456)/Strandgotu 2001/EXT 2002/0-1; 6.Sxd4 Sxd4 7.Dxd4 Se7 ]

6...g6?!N

Aus Furcht vor 7. Ld3 und anschließend f4-f5 habe ich mich zu diesem unnatürlichen Aufbau verleiten lassen. Der Läufer sollte auf der Diagonalen f8-a3 bleiben. Auf g7 fristet er ein kümmerliches Dasein. Die prinzipielle Iddee ist es, mit 6. ... Db6 Druck am Damenflügel auszuüben. Doch auf diese Idee bin ich überhaupt nicht gekommen.
[6...Db6 7.Ld3 Le7 8.0-0 f5 9.Sbd2 Sh6 10.h3 Sf7 11.De2 Ld7 12.b4 Tc8 13.Sb3 0-0 14.Kh1 a6 15.Lb2 Kh8 16.Sbxd4 Sxd4 17.Sxd4 g5 18.Sxf5 Dd8 19.Dg4 Lb5 20.Lxb5 axb5 21.Sd4 Raddatz,M (2095)-Gold,G (1740)/Senden 1998/CBM 067 ext/1-0; 6...Db6 7.b4 Sh6 8.Sbd2-/+ ]

7.Ld3
Steht gut, da d4 blockiert ist
[>=7.Sxd4!? ist zu erwägen 7...Ld7 8.Sc3= ]

7...Lg7-/+ 8.b4
[8.0-0 f6-/+ ]

8...a6
[8...f6 9.0-0 (9.b5 Sxe5!! 10.fxe5 fxe5 Und Schwarz hat für die Figur drei Bauern und ein Riesenzentrum.) 9...fxe5 10.Sxe5-/+ ]

9.Sbd2
[9.Lb2 Sh6 10.Sxd4 0-0 11.Sxc6 bxc6=/+ ]

9...Sge7 10.Sb3 0-0 11.De2

Schwarz plant irgendwann f7-f6 zu spielen. De2 verstärkt nun den Druck auf den dann schwach werdenden Bauern e6.
[11.0-0 f6 12.exf6 Txf6= ]

11...b6
Sichert a5+c5 [11...f6 12.exf6 Lxf6 13.Sc5 Diese Variante habe ich befürchtet und deshalb 11. ... b6 gespielt. 13...Sf5 (13...Dd6 14.0-0 Sf5 ) 14.Sxe6 Lxe6 15.Dxe6+ Kh8 ]

12.g4
[12.Sbxd4 f6 13.exf6 Sxd4 14.Sxd4 Lxf6 15.Lb2= (‹15.Sxe6 Dd6 16.Sxf8 Lxa1 17.Sxh7 Kxh7-/+ ) ]

12...Dc7
[12...f6 13.exf6 Txf6 14.0-0-/+ ]

13.0-0
mutig, in diese offene Bauernstellung zu rochieren. [13.g5 a5-/+ ]

13...f6-/+
der schon überfällige Befreiungsschlag.

14.Te1 fxe5 15.fxe5 Txf3??

Schwarz wollte dem Königsangriff den Zahn ziehen. Die Partie ist nun ausgeglichen. Schwarz hat Springer und Bauer für den Turm. Da aber der weiße Angriff noch nicht durchschlägt, hätte Schwarz die Initiative am Damenflügel ergreifen sollen und wäre im Vorteil geblieben.
[>=15...Dd7!?-/+ ; 15...a5 16.b5 a4 17.Sbxd4 Sxd4 18.Sxd4 ; 15...Tb8 16.Ld2 (16.Lxa6?? Lxa6 17.Dxa6 Txf3 ) ]

16.Dxf3= Lxe5?
[>=16...Sxe5!? 17.Dg3 S7c6+/= 18.Lf4 Lb7 19.Te2 (19.Sxd4? Sxd4 20.Lxe5 Lxe5 21.Txe5 Dxe5 22.Dxe5 Sf3+ ) 19...Tf8 20.Tae1 Sf3+ 21.Dxf3 Txf4-+ ]

17.Lh6!+/-
Der Königsangriff geht mit Tempo weiter.

17...Lg7?

Nun steht Weiß klar besser. Die von Fritz vorgeschlagenen Varianten mit Kh8 habe ich nur kurz in Erwägung gezogen, da sie sehr unnatürlich aussehen.
[17...Ld7 18.Tf1 Kh8+- (18...Lxh2+?? der kann natürlich nicht genommen werden 19.Kh1 Sf5 20.gxf5 exf5 21.Dxd5+ Kh8 22.Df7+- ) ; 17...Kh8 18.Te2 ]

18.Lxg7+- Kxg7 19.Tf1 Ld7
[19...Dd8 ändert den Lauf der Dinge nicht 20.Tae1 e5 21.a4+- Es geht um den Bauern e5.]

20.Df6+ Kg8 21.Lxa6! De5

[21...Txa6?? 22.Df8# ]

22.Df7+ Kh8 23.Tae1 Dg7
[23...Dg5 24.Lb7 Tg8 25.Lxc6 Dxg4+ 26.Kh1+- ]

24.b5! Sd8 25.Df8+
[>=25.Df4 Der Angriff ist viel stärker, wenn die Damen auf dem Brett bleiben. 25...g5 26.Dd6+- ]

25...Dxf8+/- 26.Txf8+ Kg7 27.Tef1
[27.Tf2 Sf7 28.Tef1 Sg5+/- ]

27...e5!
Schwarz verschafft sich ein wenig Luft,

28.a4 Lxg4

[28...Sf5 29.Lb7 Tb8 30.Txd8 Txd8 31.gxf5 Lxf5+/- Schwarz hat mit zwei Bauern etwas wenig für die Figur.]

29.Te8+- Sf5 30.Txe5
[30.a5!? bxa5 31.Sc5+- ]

30...Sf7

durch das aktive schwarze Figurenspiel ist die Stellung wieder nahezu ausgeglichen.

31.Txd5

noch das Beste. Weiß wickelt in ein Endspiel mit Mehrbauern ab.
[31.Te6 Se3 32.Txb6 Sg5 33.Tff6 Sh3+ 34.Kh1 Sxc2 ; 31.Tee1 Se3 32.Tf2 Sg5 ]

31...Se3 32.Txd4
[32.Txf7+ Kxf7 33.Txd4 Le6 34.Tf4+ Sf5+/= ]

32...Sxf1
[32...Sg5 war eine interessante Alternative. Es droht Sh3+ 33.Lb7 Sh3+ 34.Kh1+/= Ta7 35.Lg2 Sxf1 36.Lxf1 ]

33.Kxf1+/-
In all den komplizierten Varianten behält Weiß einen Mehrbauern. [Jedoch nicht 33.Txg4 Se3 34.Te4 Sxc2= ]

33...Se5
[33...Le6 34.Sd2+/- ]

34.Tf4
[34.Lb7 Tf8+ 35.Kg2 Lf5+/- ]

34...Ld1

[34...g5!? sieht gut aus 35.Tf2 verlässt der Turm die f-Linie schaltet sich der schwarze Turm mit Schach in den Angriff ein. 35...Sc4= ]

35.Sd4+/- Sd7?

[35...Lg4 36.Kf2 Ld7 37.Lb7+/- ]

36.Ke1
[>=36.Se6+ nun kommt Weiß in Vorteil 36...Kh6 37.Td4 (37.a5+- bxa5 38.Td4 Sf8 39.Sc7 ist noch stärker) 37...Sf8 38.Txd1 Sxe6 39.Td6 ]

36...Lh5+/- 37.Se6+ Kg8?
[37...Kh6 38.Tf7 Se5 39.Te7+/- ]

38.Sc7

[>=38.Lb7 Te8 39.Kd2+- Txe6 40.Ld5 ]

38...Td8?
[>=38...Tb8+/- ]

39.Lb7+- Sc5 40.Ld5+ Kg7 41.Tf7+
[>=41.a5 bxa5 42.Tc4+- Sd7 43.Se6+ ]

41...Kh6+/- 42.a5 bxa5 43.h4
will ein Mattnetz knüpfen. [>=43.c4!?+/- ]

43...a4=
Nun ist die Partie total ausgeglichen.

44.b6
[44.Te7 a3= ]

44...a3
Auf den muss Weiß aufpassen

45.La2
[45.Te7 Lf3 (45...Txd5?? 46.Sxd5 a2 47.Ta7 ) 46.La2 Td1+ 47.Kf2 Lc6= ; 45.b7!? Sxb7 46.Se6 Txd5 47.Sf8 (47.Txb7?? a2 48.Ta7 Td1+ 49.Kf2 a1D ) 47...Te5+ 48.Kd2 Te2+ 49.Kd3 Sc5+ ]

45...Td1+=/+ 46.Kf2 Td2+ 47.Ke3 Txc2

Das Blatt hat sich gewendet. Nun hat Schwarz einen Mehrbauern und steht minimal besser.

48.Kd4??
[>=48.Tf2 geht wohl noch 48...Txf2 49.Kxf2=/+ ]

48...Txa2-+ 49.Kxc5 Tb2?

In komplizierter Stellung vergibt Schwarz den Gewinn.

[>=49...Tc2+ Der Zug hat zwei Vorteile. Erstens erreicht Schwarz durch den Tempogewinn, dass Weiß nicht mehr zu der Mattdrohung Se6 kommt. Zweitens muss der weiße König zwangsläufig auf ein ungünstiges Feld und erlaubt Schwarz, mit einem weiteren Tempogewinn wichtige Felder auf der ersten Reihe zu kontrollieren.

50.Kd6 (50.Kb5?? a2 51.Tf1 Le2+ ; 50.Kb4 noch das Beste 50...a2 51.Tf1 Tb2+ 52.Ka3 Tb1 53.Kxa2 Txf1 54.b7 Tf8 55.Sa6 Lg4 56.b8D Txb8 57.Sxb8 Kh5 ; 50.Kd4 a2 51.Tf1 Td2+ 52.Kc3 Ld1 ) 50...a2 51.Tf1 Td2+ 52.Kc6 Ld1 53.b7 a1D 54.b8D und Schwarz kommt zuerst zum Mattangriff.]

50.Se6!!=
Selbst im Endspiel stellt Weiß noch Mattdrohungen auf.

50...Le2

oder Ld1 waren die einzigen Rettungsmöglichkeiten.

51.Sf8 Kh5
Schwarz droht Materialgewinn: Kh5xh4

52.Txh7+
[52.Sxh7 La6 53.Sf6+ Kxh4 54.Th7+ Kg5 55.Se4+ Kf5-/+ ]

52...Kg4 53.Ta7
Da gehört der Turm hin

53...a2 54.Sxg6
Nun hat Weiß wieder einen Mehrbauern

54...Kh5??
Es entsteht zwangsläufig ein für Weiß total gewonnenes Endspiel. Die Partie ist entschieden. [>=54...Kf5= ; zum Beispiel: 55.Se7+ Ke6 56.Sc6 Tc2+ 57.Kd4 ]

55.Sf4++- Kxh4 56.Sxe2 Txe2 57.b7 Tb2 58.Kc6 Tc2+ 59.Kb6 Tb2+ 60.Kc7 Tc2+ 61.Kb8 Tb2 62.Ta4+

Letztendlich kein unverdienter Sieg für Udo, der ständig mutig auf Königsangriff grespielt hat. Schwarz hatte nur eine einzige Chance zum Gewinn, die er nicht genutzt hat.

1-0